Montag, 29. Juni 2009

Waiting for the BOOM

Als Kind des Friedens und des Überflusses hatte ich nie was zu jammern außer dass meine Schuhe nicht zum Kleid passten oder dass es im Urlaub statt nach Spanien wieder mal nur an die Ostsee ging. Nun warte ich zwar schon seit einigen Wochen auf den großen Kollaps, auf den vollen Durchbruch der Wirtschaftskrise, auf die unbarmherzige Regentschaft des Chaos... aber nichts passiert!! Laufe ich so durch mein schönes Leipzig, begegnet mir der Konsumwahn jeden Tag aufs Neue. Allein in der Innenstadt haben wir wahrscheinlich so viele große Kaufhäuser wie in der ehemaligen DDR zusammen. Da frage ich mich doch: Wer braucht denn bitte noch ein Karstadt (okay, das Thema hat sich ja vielleicht bald erledigt...), noch einen Breuninger und noch eine Galeria Kaufhof?? Der Einzelhandel stirbt und die Innenstädte sind bald nur noch triste Shopping - Hallen ohne jedes Flair und erst recht ohne Seele. Auf der Suche nach neuen Nutzungskonzepten für die von den Leipzigern liebevoll genannten Blechbüchse, einem ehemaligen Karstadt Warenhaus sowie die klaffende Lücke vor dem Museum der bildenden Künste sind die Stadtväter so kreativ wie wie der neueste Klingelton vom besoffenen Elch. Was sonst als noch ein funkelnder Bunte-Waren-Tempel kann dabei raus kommen... "Rein ins Vergnügen" - das Bild hätte nicht passender sein können. Aufgenommen kurz nach dem Abriss der drei schon seit vielen Jahren vor sich hin gammelnden Plattenbauten am Sachsenplatz. Es sah ein wenig aus wie nach dem Krieg, aber ironischerweise hing am Brühl dieses riesige Plakat... Wie auch immer, auch das Internet ist voller düsterer Vorhersagungen und man wird das Gefühl nicht los, als käme die vermeindliche Krise so manchem Hobby - Jammerer gerade gelegen. Wie schwer fällt es einem dennoch, dem Onkel Klaus, der im Garten von der Oma die Wurscht auf dem Grill mit Bier besudelt, zu sagen: "Pass auf Alter, dass Du Deinen Job verloren hast, das ist nun mal Pech und dass Du keine neue Arbeit findest liegt vor allem daran, dass Du außer den Neuigkeiten aus der BILD und von der Feuerwehr nichts im Kopf hast...." Ich befürchte, es wird nix helfen. Entweder, es kracht wirklich bald mal oder das ewige Gejammer hört nie auf .... So richtig gruselig wird die Angst vor der totalen Katastrophe, wenn man sich mal diese Seite anschaut: http://www.innova-zivilschutz.com/ Von der BP-5 Notration bis zur Atemschutzmaske kann man sich für die Endzeit und darüber hinaus ausrüsten. Toll.
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Sonntag, 28. Juni 2009

Klassik airleben.

Music is the medicine of the breaking heart. ~ Leigh Hunt Wenn sich die Oper und das Gewandhaus in die Sommerpause verabschieden, so können die Leipziger dies im idyllischen Rosenthal hautnah miterleben. Seit mittlerweile 4 Jahren kann man an zwei Tagen im Juni seine Picknickdecke ausrollen und bei Sekt und Antipasti den leisen und gewaltigen Tönen eines Orchesterwerks lauschen. Schon Tage zuvor hatte ich uns Karten besorgt, denn herrlich sind diese Konzerte unter freiem Himmel und die Vorfreude darauf war groß. An diesem Abend kleidete ich mich in jedoch Trauer, denn schwarz fühlte sich mein Herz an und schwarz wollte ich nach außen tragen. Auf dem Weg durch die Stadt schritt ich an den Massen an Menschen vorbei, die tatsächlich noch lachen und lärmen konnten als wäre nichts gewesen. Sie lebten ihr von materiellen Freuden verblendetes Leben dahin und das stupide Einhämmern auf Handys mit beschissenen Klingeltönen machte sie mir so verhasst wie noch nie. Die dumpfen Menschenmassen einer Stadt waren mir noch nie geheuer und die vielen trüben Augen überall machen lassen mich erschaudern. Einsam fühle ich mich in manchem Moment. Doch an diesem Abend war es unerträglich. Der Weg zum Konzert führte uns später über eine lange Wiese, die mich schnell wieder auf den Boden der Realität zurück holte, denn meine Absätze blieben in jeder Kuhle stecken und das Laufen war beschwerlich, denn und die schwere Tasche zerrte an meinen Armen. Als ich auf meiner Decke saß und lustlos die Weingläser auspackte, wollte ich eigentlich gleich wieder zusammenräumen und schnell weg. Etwas anderes zu tun als zu trauern erschien mir sinn - und freudlos. Doch die Musik setzte ein und trug mich für eine Weile mit sich hinfort. Klagend und bedrohlich drang die Carmina Burana in mein Gemüt, der Himmel zeigte sich düster und wolkenverhangen und zuweilen brausten die Winde durch die Lüfte als wollten sie den Sound des Abends mitbestimmen. Aufgeladen durch die Mächtigkeit der Töne eilten wir schließlich zurück zum Auto und legten schnell die CD ein, die wir beide so lieben. Mit offenen Fenstern jubelten und feierten wir gemeinsam zu "Off the Wall" und "Rock with you" und erlebten gemeinsam, wie die Musik unsere Herzen erleichterte. Ich hätte schreien können vor Trauer und vor Glück und in diesem Moment wußte ich, dass so etwas Großes nie sterben wird.

Freitag, 26. Juni 2009

If you enter this world knowing you are loved and you leave this world knowing the same, then everything that happens in between can be dealt with. ~ Michael Jackson Heute ist ein geliebter Mensch von dieser Welt gegangen. Ich habe es vor einer Stunde im Radio erfahren und immernoch kann ich es nicht recht glauben. Der Mensch, der ganze Jahre meines Lebens begleitet hat, dessen Musik mich so tief berührt hat. Auf meinem kleinen abgewetzten Sanyo - Recorder spielte ich die Kassetten, die ich zuvor aus dem Radio aufgenommen hatte. Stundenlang saß ich gedankenverloren in meinem Zimmer und hörte seine Lieder wieder und wieder. Seine Musik hat mich nicht nur verzaubert, in ihr spiegelten sich all die berauschenden Gefühle, die ich in meinen Jugendjahren erlebt habe. Lieben und Hoffen, Raserei und Wut, Träumen und Fliegen. Durch ihn habe ich überhaupt erst Englisch gelernt, denn jedes einzelne Wort wollte ich verstehen, habe mit meinen Lippen die fremden Worte nachgeformt, diese wunderbaren Melodien gesungen, die mein Herz bewegten. In Zeiten ohne Internet, ohne Handy und andere Zerstreuungen war es eine Wonne, ganze Nachmittage in meinem Zimmer damit zu verbringen, jedes noch so kleine Bild aus der BRAVO auszuschneiden und in einen Sammelordner zu kleben. Wie schwer es doch war, einen rare Single aus Japan oder ein T-Shirt mit seinem Bild zu besorgen. Man musste noch Briefe an andere Fans schreiben, um mit ihnen seine Sammlung zu tauschen, Quellen auszumachen, wo es das ein oder andere seltene Sammlerstück zu ergattern gäbe. Sein Name stand auf allem, was ich hatte. Jedes Schulheft war verziert mit seinem Namen, Songtexten und Schnörkeleien. Als die Anbetung der Poster und Bildchen ging und echte Berührungen in mein Leben traten, so blieb mir dennoch seine Musik. Über die Jahre hat es mich immer wieder ergriffen, ist es mir bei seinen Liedern immer wieder wieder warm und zärtlich im Bauch gegangen. Diese Magie ist unbeschreiblich, das nimmt dich einfach mit, solche Musik ist nicht von dieser Welt. Ich habe heute einen Teil von mir verloren. Mein Herz brennt und ich kann es nicht fassen, wie schnell und unerwartet es so gekommen ist. Ich weine um einen großen Mann. Meine erste große Liebe.

And maybe the walls will tumble. And the sun may refuse to shine. But when I say I love you, that´s for all time....

Donnerstag, 25. Juni 2009

Die Elbe.

Der Elbradweg - ein Traum um diese Jahreszeit!
Habe mich vor zwei Wochen aufgemacht um unsere schöne Heimat zu erkunden und was ich dabei erlebt habe, das lässt sich wohl am Besten beschreiben als: Ach wie schön!
Drei Tage nichts als Essen. Schlafen. Radeln. Essen. Schlafen. Radeln. 180 Kilometer und jeder einzelne hat mein aufgeregtes Herz in schiere Freude versetzt angesichts der Tatsache, dass es mal wieder aus einem anderen Grund hüpfen dürfte als aus lauter Liebesmüh. Die körperliche Plackerei (und das war es für mich beileibe...) hat mir mal wieder gezeigt, dass ich mich mehr bewegen muss. Nein: mehr bewegen will.
Diese Art des Urlaubs möchte ich nun mehr und mehr haben: kein Handy, keine Hotels, keine Swimming Pools. Einfach nur ich und mein Fahrad, welches ich über ausgebaute Radwanderwege führe, aber auch gern durch Wiesen und Kuhweisen schleppe. A propos Kühe: an einem Bauernhof sah ich ein erstaunliches Gerät: ein Holzständer an dem verschiedene Besen und Lappen angebracht waren und daran scheuerten sich die braunen Viechter... wunderbar.

Was bleibt...

"Ultimately the bond of all companionship, whether in marriage or in friendship, is communication." ~ Oscar Wilde
Ich komme nun langsam zu der Einsicht, dass eine jede Beziehung, sei sie auch noch so berauschend zu Beginn, ihren Zauber auf lange Sicht nur halten kann, wenn es gelingt, sich die Lust am Erzählen zu bewahren.
Wir haben die Nächte miteinander verbracht, beseelt von dem Glück, nichts mehr zu brauchen als beieinander zu liegen, seinen Arm unter meinem Kopf. Seinen ruhigen Atem in meinem Nacken und die Augen endlich mal geschlossen.
Nunmehr verbringen wir die Stunden im Café, sitzen beieinander und rauchen viel zu viel. Wir plaudern darüber, welche schönen Dinge uns passiert sind, welche Bücher wir gerade lesen und welche Länder wir zusammen bereisen möchten. Dass von unseren Träumen wahrscheinlich nie etwas in Erfüllung gehen wird, das wissen wir beide.
Doch schlägt höher das Herz mit jeder neuen Spinnerei, zärtlich sind die Worte und so halten wir das am Leben, was von uns noch geblieben ist ... der Zauber dieser Momente hat die Nächte überdauert...

Rauch.

Ojos que no ven, corazón que no siente. Was die Augen nicht sehen, begeht das Herz nicht. Ich habe wieder begonnen, zu rauchen.
Nachdem ich es viele Jahre geschafft hatte, ohne die Droge auszukommen, hänge ich mittlerweile fast täglich am Glimmstengel und ziehe mir den Rauch durch die roten Lippen ... als könnte das Gift, das tief in meine Lungen dringt die Sehnsucht nach der Aufregung vernebeln und mir das Herz wieder etwas leichter sein lassen.
Mit dem Rauchen ist es doch so wie mit den geliebten Menschen: hast du sie um dich, berauschen sie dich, aber sie nehmen dir auch deine Kraft. Sind sie fort, hälst du es eine ganze Weile ohne sie aus, aber tief im Bauch da zieht es dir irgendwann die Körperbausteine zusammen. Wenn die Augen wieder sehen, brennt auch das Herz schnell lichterloh...

Allem Anfang wohnt ein Zauber inne....

Als ich das erste Mal von "blogs" gehört hatte, konnte ich damit nichts anfangen, aber so wie ich alle Dinge, die um mich herum passieren aufmerksam und mit Neugierde verfolge, so habe ich auch dieses moderne Mittel der Kommunikation beobachtet. Eine Plattform, auf der jeder, aber auch wirklich jeder mitmischen könne, erschien mir immer als etwas merkwürdig Stupides, denn wen um Himmels Willen sollten denn die schieren Massen belangloser Geschichten ganz normaler Menschen interessieren?
Schließlich liebe ich aber Geschichten und ich liebe die Aufregung und ich glaube, in jedem blogger muss so etwas an Neugierde stecken, denn wie faszinierend ist es, die Welt durch die eigenen Augen sehen zu lassen...?!
Nun möchte ich es wagen und jeden Tag ein Foto aus meinem Leben veröffentlichen. Im Alltag und auf Reisen, bei der Arbeit und bei Vergnügungen, also bei allen großen und kleinen Aufregungen des Tages soll mich die Kamera begleiten.
So wie ich die Welt sehe soll auch mich die Welt nun sehen können. Gehen wir´s an.
Das erste Foto von heute: Ein Buch, welches ich gestern von einem lieben Menschen geschenkt bekommen habe. Ohne Widmung und noch in der Folie, aber mit einem warmen Blick übergab er es mir und ich wußte, er hatte es mit Bedacht gewählt. Nie habe ich von ihm auch nur ein Buch bekommen, welches mich nicht berührt hätte.
In "Asiatische Abscencen" schreibt Wolgfang Büscher in zauberhaft bilderreichen und anziehenden Worten von dem, was er in den fernen Ländern des Ostens erlebt hat und vielleicht auch davon, was er nur geträumt hat ... denn das Buch liest sich wie ein einziger flirrender, diesig heißer Traum, so einer von der Art, wie man sie an schwülen Nachmittagen hat, wenn man sich ohne Grund zu Bett legt um ein wenig vor sich hin zu dämmern...