Mittwoch, 17. März 2010

Ich bin dann mal weg

Bald ist es soweit. Bald mache ich mich auf den Weg nach Santiago de Compostela und trete damit in die Fußstapfen tausender Pilger, die bereits sich dieser körperlichen und seelischen Herausforderung gestellt haben. Ob ich alles bedacht habe? Die richtigen Schuhe, Blasenpflaster, Sonnencreme, Wechselklamotten? Ich habe mir sagen lassen, dass man nicht mehr als ein zehntel seines Körpergewichts tragen sollte, sonst würde man beizeiten anfangen, sein Gepäck am Wegesrand oder in einem Mülleimer zu hinterlassen. Am 28. März geht es los. Mit dem Flieger von Leipzig nach Madrid, dann weiter mit dem Zug nach Leon. Von dort aus muss ich die knapp 330 Kilometer zu Fuss bewältigen.

 Nach 14 Tagen will - oder besser: muss ich mein Ziel erreicht haben, denn dann geht´s auch schon Richtung Heimat. Was erhoffe ich mir von dieser Strapaze: Ruhe, Zeit für mich und zum Nachdenken, gutes spanisches Essen, gutes Wetter, einfach das Gefühl, mal wieder etwas nur für mich selbst zu tun. Niemandem Rechenschaft abzulegen darüber, ob und wann man denn heute schon gefrühstückt hat, warum man sein Handtuch nicht nach dem Baden ordentlich aufhängt und wieso man so ein Gesicht zieht. Ja, ich will hier mal weg und deshalb bin ich so aufgeregt.

Donnerstag, 2. Juli 2009

Thank you for the music

Immernoch bin ich verloren im Schmerz, versunken in meiner Trauer. Doch Wut gesellt sich dazu... Wut über die vielen Nutznießer der Tragödie, die vielen Schleimer, die falschen Schweine, die ihn zu Lebzeiten verhöhnt haben und es nun wagen seinen Namen in den Mund zu nehmen. Ich erinnere mich an die Zeit als ich meine Liebe für Michael noch offen gezeigt habe ... welchen viel Mist habe ich mir anhören müssen, wie oft mich rechtfertigen für meine Verehrung! So viele billige Witzeleien, Spöttelei und unqualifiziertes Geschwafel... es tat so weh und das tut es heute um so mehr, denn jede Lobhudelei ist ein Schlag ins Gesicht, alle wollen nur noch ihren Profit aus ihm schlagen... Michael, das hast Du nicht verdient.
Die Freude an seiner Musik wird die Trauer besiegen und so bin ich glücklich, dieses wunderschöne Video eines Fans gefunden zu haben:

Montag, 29. Juni 2009

Waiting for the BOOM


Als Kind des Friedens und des Überflusses hatte ich nie was zu jammern außer, dass meine Schuhe nicht zum Kleid passten oder dass es im Urlaub statt nach Spanien wieder mal nur an die Ostsee ging.

Nun warte ich zwar schon seit einigen Wochen auf den großen Kollaps, auf den vollen Durchbruch der Wirtschaftskrise, auf die unbarmherzige Regentschaft des Chaos... aber nichts passiert!! Laufe ich so durch mein schönes Leipzig, begegnet mir der Konsumwahn jeden Tag aufs Neue. Allein in der Innenstadt haben wir wahrscheinlich so viele große Kaufhäuser wie in der ehemaligen DDR zusammen. Da frage ich mich doch: Wer braucht denn bitte noch ein Karstadt (okay, das Thema hat sich ja vielleicht bald erledigt...), noch einen Breuninger und noch eine Galeria Kaufhof?? Der Einzelhandel stirbt und die Innenstädte sind bald nur noch triste Shopping - Hallen ohne jedes Flair und erst recht ohne Seele. Auf der Suche nach neuen Nutzungskonzepten für die von den Leipzigern liebevoll genannten Blechbüchse, einem ehemaligen Karstadt Warenhaus sowie die klaffende Lücke vor dem Museum der bildenden Künste sind die Stadtväter so kreativ wie wie der neueste Klingelton vom besoffenen Elch. Was sonst als noch ein funkelnder Bunte-Waren-Tempel kann dabei raus kommen... "Rein ins Vergnügen" - das Bild hätte nicht passender sein können. Aufgenommen kurz nach dem Abriss der drei schon seit vielen Jahren vor sich hin gammelnden Plattenbauten am Sachsenplatz. Es sah ein wenig aus wie nach dem Krieg, aber ironischerweise hing am Brühl dieses riesige Plakat... Wie auch immer, auch das Internet ist voller düsterer Vorhersagungen und man wird das Gefühl nicht los, als käme die vermeindliche Krise so manchem Hobby - Jammerer gerade gelegen. Wie schwer fällt es einem dennoch, dem Onkel Klaus, der im Garten von der Oma die Wurscht auf dem Grill mit Bier besudelt, zu sagen: "Pass auf Alter, dass Du Deinen Job verloren hast, das ist nun mal Pech und dass Du keine neue Arbeit findest liegt vor allem daran, dass Du außer den Neuigkeiten aus der BILD und von der Feuerwehr nichts im Kopf hast...." Ich befürchte, es wird nix helfen. Entweder, es kracht wirklich bald mal oder das ewige Gejammer hört nie auf .... So richtig gruselig wird die Angst vor der totalen Katastrophe, wenn man sich mal diese Seite anschaut: http://www.innova-zivilschutz.com/ Von der BP-5 Notration bis zur Atemschutzmaske kann man sich für die Endzeit und darüber hinaus ausrüsten. Toll.
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Sonntag, 28. Juni 2009

Klassik airleben.


Music is the medicine of the breaking heart. ~ Leigh Hunt 



 Wenn sich die Oper und das Gewandhaus in die Sommerpause verabschieden, so können die Leipziger dies im idyllischen Rosenthal hautnah miterleben. Seit mittlerweile 4 Jahren kann man an zwei Tagen im Juni seine Picknickdecke ausrollen und bei Sekt und Antipasti den leisen und lauten Tönen eines Orchesterwerks lauschen. Schon Tage zuvor hatte ich uns Karten besorgt, denn herrlich sind diese Konzerte unter freiem Himmel und die Vorfreude darauf war groß. An diesem Abend kleidete ich mich in jedoch Trauer, denn schwarz fühlte sich mein Herz an und schwarz wollte ich nach außen tragen. Auf dem Weg durch die Stadt schritt ich an den Massen an Menschen vorbei, die tatsächlich noch lachen und lärmen konnten als wäre nichts gewesen. Sie lebten ihr von materiellen Freuden verblendetes Leben dahin und das stupide Einhämmern auf Handys mit beschissenen Klingeltönen machte sie mir so verhasst wie noch nie. Die dumpfen Menschenmassen einer Stadt waren mir noch nie geheuer und die vielen trüben Augen überall machen lassen mich erschaudern. Einsam fühle ich mich in manchem Moment. Doch an diesem Abend war es unerträglich. Der Weg zum Konzert führte uns später über eine lange Wiese, die mich schnell wieder auf den Boden der Realität zurück holte, denn meine Absätze blieben in jeder Kuhle stecken und das Laufen war beschwerlich, denn und die schwere Tasche zerrte an meinen Armen. Als ich auf meiner Decke saß und lustlos die Weingläser auspackte, wollte ich eigentlich gleich wieder zusammenräumen und schnell weg. Etwas anderes zu tun als zu trauern erschien mir sinn - und freudlos. Doch die Musik setzte ein und trug mich für eine Weile mit sich hinfort. Klagend und bedrohlich drang die Carmina Burana in mein Gemüt, der Himmel zeigte sich düster und wolkenverhangen und zuweilen brausten die Winde durch die Lüfte als wollten sie den Sound des Abends mitbestimmen. Aufgeladen durch die Mächtigkeit der Töne eilten wir schließlich zurück zum Auto und legten schnell die CD ein, die wir beide so lieben. Mit offenen Fenstern jubelten und feierten wir gemeinsam zu "Off the Wall" und "Rock with you" und erlebten gemeinsam, wie die Musik unsere Herzen erleichterte. Ich hätte schreien können vor Trauer und vor Glück und in diesem Moment wußte ich, dass so etwas Großes nie sterben wird.

Freitag, 26. Juni 2009


If you enter this world knowing you are loved and you leave this world knowing the same, then everything that happens in between can be dealt with. ~ Michael Jackson 



Heute ist ein geliebter Mensch von dieser Welt gegangen. Ich habe es vor einer Stunde im Radio erfahren und immernoch kann ich es nicht recht glauben. Der Mensch, der ganze Jahre meines Lebens begleitet hat, dessen Musik mich so tief berührt hat. Auf meinem kleinen abgewetzten Sanyo - Recorder spielte ich die Kassetten, die ich zuvor aus dem Radio aufgenommen hatte. Stundenlang saß ich gedankenverloren in meinem Zimmer und hörte seine Lieder wieder und wieder. Seine Musik hat mich nicht nur verzaubert, in ihr spiegelten sich all die berauschenden Gefühle, die ich in meinen Jugendjahren erlebt habe. Lieben und Hoffen, Raserei und Wut, Träumen und Fliegen. Durch ihn habe ich überhaupt erst Englisch gelernt, denn jedes einzelne Wort wollte ich verstehen, habe mit meinen Lippen die fremden Worte nachgeformt, diese wunderbaren Melodien gesungen, die mein Herz bewegten. In Zeiten ohne Internet, ohne Handy und andere Zerstreuungen war es eine Wonne, ganze Nachmittage in meinem Zimmer damit zu verbringen, jedes noch so kleine Bild aus der BRAVO auszuschneiden und in einen Sammelordner zu kleben. Wie schwer es doch war, einen rare Single aus Japan oder ein T-Shirt mit seinem Bild zu besorgen. Man musste noch Briefe an andere Fans schreiben, um mit ihnen seine Sammlung zu tauschen, Quellen auszumachen, wo es das ein oder andere seltene Sammlerstück zu ergattern gäbe. Sein Name stand auf allem, was ich hatte. Jedes Schulheft war verziert mit seinem Namen, Songtexten und Schnörkeleien. Als die Anbetung der Poster und die Bildchen verschwunden waren traten echte Berührungen in mein Leben.

Die Musik blieb und wärmte mir immer wieder zärtlich das Gemüt. Diese Magie ist unbeschreiblich, das nimmt dich einfach mit, solche Musik ist nicht von dieser Welt. Ich habe heute einen Teil von mir verloren. Mein Herz brennt und ich kann es nicht fassen, wie schnell und unerwartet es so gekommen ist. Ich weine um einen großen Mann. Meine erste große Liebe.

And maybe the walls will tumble. And the sun may refuse to shine. But when I say I love you, that´s for all time....




Donnerstag, 25. Juni 2009

Die Elbe.


Der Elbradweg - ein Traum um diese Jahreszeit!

Habe mich vor zwei Wochen aufgemacht unsere schöne Heimat zu erkunden und was ich dabei erlebt habe, das lässt sich wohl am Besten beschreiben als: Ach wie schön!

Drei Tage nichts als Essen. Schlafen. Radeln. Essen. Schlafen. Radeln.

180 Kilometer und jeder einzelne hat mein aufgeregtes Herz in schiere Freude versetzt angesichts der Tatsache, dass es mal wieder aus einem anderen Grund hüpfen dürfte als aus lauter Liebesmüh. Diese körperliche Plackerei (und das war es für mich beileibe...) hat mir mal wieder gezeigt, dass ich mich mehr bewegen muss. Nein: mehr bewegen will.

Diese Art des Urlaubs möchte ich nun mehr und mehr haben: kein Handy, keine Hotels, keine Swimming Pools. Einfach nur ich und mein Fahrad, welches ich über ausgebaute Radwanderwege führe, aber auch gern durch Wiesen und Kuhwiesen schleppe. A propos Kühe: auf einem Bauernhof in der Nähe von Oschatz sah ich ein erstaunliches Gerät: ein Holzständer an dem verschiedene Besen und Lappen angebracht waren und daran scheuerten sich die braunen Viechter... wunderbar.

Was bleibt...


"Ultimately the bond of all companionship, whether in marriage or in friendship, is communication." ~ Oscar Wilde


Solange wir uns erzählen, wird es uns geben. 
Ich komme immer mehr zu der Einsicht, dass eine jede Beziehung, und sei sie auch noch so berauschend und vielversprechend zu Beginn, ihren Zauber nur auf Dauer bewahren kann, wenn es gelingt, die Freude am Erzählen zu bewahren. 

Wir waren einmal ein Paar.
Es kommt mir vor wie eine halbe Ewigkeit in der wir schlaflose Nächte nebeneinander verbrachten - oder nein: vielmehr konnte ich nicht zur Ruhe kommen. Ich versuchte, mich nicht zu bewegen, denn ich brauchte seinen Arm unter meinem Kopf, seinen Atem in meinem Nacken und das Grummeln mit dem er sich meine Haare aus dem Gesicht wischte.

Was ist passiert, welche Unachtsamkeit nahm ihn mir? Und warum ist er trotzdem immer noch da?

Wir konnten uns nicht lassen. Treffen uns heimlich und verbringen die Stunden im Café, erzählen uns aus unserem Leben und rauchen viel zu viel. Wir plaudern darüber, welche schönen Dinge uns passiert sind, welche Bücher wir gerade lesen und welche Länder wir zusammen bereisen möchten. Meinen Mädchenjahren längst entwachsen fühle ich mich frei an seiner Seite, jeder Sonnenstrahl brennt auf der Haut und das Flatterhemdchen ist tief ausgeschnitten und fühlt sich luftig an.

Er. Mindestens einen Skandal älter als ich, erzählt mir Geschichten aus seinem Leben und gibt mir wohlklingende französische Spitznamen. Ich versuche mir vorzustellen, wie er aussah als er jung war. Mit der Zeit wachsen ihm immer mehr feine weiße Haare an seiner Schläfe und ich möchte jedes einzelne küssen. Wenn er so aufrecht vor dem Spiegel steht und sich geduldig seinen Bart stutzt, dann erscheint er mir wie ein armer Prinz, der sich allen Umständen zum Trotz seine Schönheit bewahren kann. Warum fühlen sich seine Hände weicher an als meine? Sein Zeigefinger mit dem gemein verbogenen Nagel: Wie konnte er sich so etwas zufügen - mit einem Hammer in der Hand kann ich ihn mir nicht vorstellen. Wenn ich ihn rieche, wird mir schwindelig und mein Bauch schmerzt vor Gier. Er ist schon lange nicht mehr jung und doch dringt aus ihm eine Frische, die mich betrunken macht.

Die Zicken und die Kletten, die Liebreizenden und die Verschlossenen - wie ein mächtiger Leuchtturm aus einer anderen Zeit zieht er die Frauen an. Sie sehnen sich nach seinem starken Licht und den verborgenen Schätzen, die sie an seinen Ufern vermuten. Auch mich hat er wie magisch an sein Land gezogen und ich durfte hineinblicken in die schwere Truhe gefüllt mit Gedanken und Geschichten. Ich will bleiben an diesem magischen Ort und erwische mich bei dem Wunsch, wieder die seine zu sein.

An seiner Seite fühle ich mich zierlich und weiblich, voller Elan und lebendig und doch werde ich müde mit jeder Stunde. Die öden Tage und Wochen an denen ich meine Arbeit erledige, in denen ich Tochter und Ehefrau bin und fleißig an der Fassade arbeite…. sie lösen sich in seiner Anwesenheit und ich spüre, wie müde ich doch bin, wie unendlich müde. Schlafen möchte ich in seinem Arm und mich endlich ausruhen. Doch muss ich jedes Mal wieder weg und heule im Auto, warte noch einen Moment vor seiner Tür… vielleicht kommt er ja raus und sagt: Möchtest Du noch einen Kaffee trinken? Möchtest Du bei mir bleiben? Er kommt nicht. Also flenne ich und mein Herz rast und ich kann es nicht fassen, wie ein schöner Tag so schnell und gemein von der Nacht gefressen wird. Ich starte den Wagen und fliege durch die Dunkelheit in mein kaltes Bett. Ich weine noch eine kleine Träne und schlafe ein.

Und plötzlich ist er wieder da: Sonnenstrahlen kitzeln meinen Nacken, seine Hand ruht auf meinem Po und er erzählt und erzählt…. und die Zeit rast mir davon mit jeder Geschichte. Wankend halte ich mich an seinem Arm fest und tippele durch die Straßen der Stadt.

Klick. Klack. Meine Stöckelschuhe wollen immer weiter, klicken und klacken munter über das Pflaster und wir reden und reden, lachen und sinnieren über das Leben und die Liebe. Der Blick schweift ab zu den Pärchen, die sich nicht verstecken müssen und dann will ich mit ihm fortgehen. Alles hinter mir lassen und verschwinden. Immer höher schlägt das Herz bei jeder Träumerei, zärtlich sind seine Worte und wir rauchen viel zu viel.

Wir erzählen unser Leben und halten uns an der Hand wie Schulkinder. Solange wir uns erzählen, wird es uns geben.